Medikamente gegen Panikattacken

Panikattacken gehören der Gruppe der Angststörungen an. Viele Betroffene leiden demnach unter plötzlichen Angstanfällen, ohne dass eine Gefahr besteht. Das bedeutet, dass auch ohne eine Gefahr Angst auftreten kann. Panikattacken sind demnach eine körperliche Reaktion der Angst, die aus heiterem Himmel, sprich unangemeldet auftritt. Der Körper kann sich auf diese gar nicht erst vorbereiten, sondern wird eigentlich stark überrascht.

Mittlerweile gibt es allerdings gute Behandlungen und Medikamente, um die Panikattacken besiegen zu können. Viele Ärzte verhelfen in Form einer Therapie, die bereits mehrere Wochen oder sogar Monate gehen kann. Doch derzeit sind auch bestimmte Medikamente auf dem Markt, die die Panikattacken ein wenig in den Griff bekommen sollen.

Therapien und Medikamente

Bei einer Behandlung wird oftmals nicht nur eine Verhaltenstherapie angeboten, sondern zusätzlich ein Antidepressivum verschrieben. Diese soll die übermäßige Angst unterdrücken und dem Patienten dabei helfen, die Panikattacken zu erkennen. Zusätzlich kann der Patient die Angst mit eher psychotherapeutischen Methoden sehen und dagegen wirken.

Demnach gibt es sogar unterschiedliche Klassen und Arten des Medikamentes. Oftmals kommt es auf die Stärke und Häufigkeit der Panikattacken an, um das richtige Medikament zu verschreiben. Bei einer eher schwachen Panikattacke reichen leichte Medikamente wie Anxiolytika oftmals aus. Trotz alledem ist auch hierbei Vorsicht geboten. Schließlich kann es durch die Einnahme zu einer akuten Abhängigkeit kommen. Die Einnahme bzw. die Therapie mit einem Antidepressivum ist daher in den meisten Fällen bereits auf maximal sechs Wochen beschränkt.

Natürlich können die Arzneimittel die Panikattacken nicht direkt unterdrücken. Ein Wundermittel wird es in dem Bereich auch nicht geben. Es ist daher wichtig, bereits beim ersten Anzeichen der Panikattacken einen Arzt aufzusuchen, damit dieser weiteren Angstzuständen vorbeugen kann. Es gibt mittlerweile zahlreiche Möglichkeiten, um in dem Bereich eine Therapie zu erhalten und die Stärke und Häufigkeit der Panikattacken zu lindern.

Antidepressiva – Chemie für die Seele

Es scheint mitunter erstaunlich, wie Chemie positiven Einfluss auf unsere Gefühlswelt nehmen kann. Wie können Medikamente unsere Psyche beeinflussen?

Die exorbitant fortschreitenden wissenschaftlichen Bemühungen der Neurowissenschaften gewähren uns tiefe Einblicke in die Funktionsweise unseres Gehirns und wie bestimmte Botenstoffe an der Signalübertragung beteiligt sind, wenn wir spezifische Gefühle erleben. Hinzu kommen klinische Studien, welche in der Mehrzahl die Auffassung stützen, dass spezielle Medikamente fähig sind, auf unsere Gefühlswelt Einfluss zu nehmen.

Antidepressiva sind die chemischen Mittel, die Angstgefühle und auch Panikattacken reduzieren können. Ursprünglich wurden diese Medikamente gegen Depressionen entwickelt, doch bald stellte sich heraus, dass sie auch bei Angststörungen ihre positive Wirkung entfalten.
Hat sich eine Panikstörung erst einmal über einen längeren Zeitraum von Monaten oder sogar Jahren ihren Weg im Gehirn gebahnt, dann verschwinden die Beschwerden nicht mehr von allein. Dass es zu einer spontanen langfristigen Besserung kommt, ist also eher die Ausnahme und nicht die Regel.

Von daher sollten Sie sich darauf einstellen, selbst aktiv zu werden, sich gut zu informieren und vorhandene Therapiemöglichkeiten auszuloten. Eine Möglichkeit zur Linderung Ihrer Beschwerden sind Antidepressiva. Da diese Medikamente über einen längeren Zeitraum eingenommen werden sollten, ist es ratsam, sie von einem Facharzt für Psychiatrie verordnen zu lassen. Er ist mit Ihrem Krankheitsbild gut vertraut.

Man unterscheidet bei den Antidepressiva drei verschiedene Medikamentengruppen voneinander:

1.  die MAO-Hemmer
2.  die trizyklischen Antidepressiva und
3.  die Selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer.

Die dritte Gruppe wird auch „Prozac“ oder SSRI genannt. Alle drei Medikamentengruppen fördern, nur auf unterschiedliche Art und Weise, dass im Gehirn mehr von dem Nervenbotenstoff Serotonin zur Verfügung steht.

Medikamente, die zur Gruppe der SSRI gehören, werden gegenwärtig am häufigsten verordnet.

Sie senken nach einer längeren Einnahme das Erregungsniveau im Nervensystem. Stoffe, die dies bewirken, sind beispielsweise Citalopram, Paroxitin oder Sertralin. Ein ähnliches Wirkungsspektrum wie die SSRI haben die sog. Selektiven Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSNRI), deren Wirkstoff z. B. Venlafaxin ist.

Serotonin – Der Botenstoff, aus dem die guten Gefühle sind

Serotonin ist ein Hormon, welches an verschiedenen Orten des Körpers existiert: im Darm, in der Lunge, den Blutplättchen und im Gehirn. Es wirkt auf die Muskulatur der Lunge und der Blutgefäße und reguliert den Blutdruck.

Im Gehirn arbeitet Serotonin als Botenstoff bei der Nervenübertragung. Insbesondere Gefühle und Emotionen – einschließlich Ängsten – werden durch den Serotonin-Haushalt reguliert. Bei Depressionen und Angststörungen fehlt es an diesem wichtigen Botenstoff (Serotonin-Mangel-Hypothese). Demgegenüber erhöhen Antidepressiva die Menge des verfügbaren Serotonins im Nervensystem.

Auch wenn die Wissenschaftler noch rege darüber diskutieren, wie der Mangel des Nervenbotenstoffes Serotonin bei Ängsten und Depressionen genau zustande kommt, zeigt sich, dass viele Patienten eine positive Wirkung durch die Einnahme dieser Medikamente verspüren.

Doch um die erwünschte Wirkung zu erreichen, müssen Antidepressiva über einen längeren Zeitraum regelmäßig und in der richtigen Dosierung eingenommen werden. Am Anfang wird die Dosis langsam gesteigert, bis sich die gewünschte therapeutische Wirkung einstellt. Man nennt dies auch: das Medikament einschleichen.

Nicht immer ist es einfach, das passende Medikament und die optimale Dosierung auszuloten. Man braucht etwas Geduld, bis das richtige Medikament gefunden ist und die gewünschte Wirkung einsetzt. Bis sich eine spürbare Wirkung zeigt, sind drei Wochen durchaus realistisch.

Gerade zu Beginn der Einnahme kann es zu Nebenwirkungen kommen, wie beispielsweise Mundtrockenheit, Übelkeit, Schwierigkeiten beim Wasser lassen oder sexuellen Störungen. In dieser Zeit fragen sich nicht wenige Patienten, ob es sich wirklich lohnt, diese Nachteile in Kauf zu nehmen und geben deshalb zu früh auf. Meine Erfahrung ist, dass die fehlende Vertrauensbeziehung zum Arzt oft an dieser Entscheidung beteiligt ist.

Lassen Sie sich von Ihrem Arzt vor der Einnahme gründlich aufklären und verabreden Sie einen zeitnahen Termin, um eventuelle bild23Nebenwirkungen abklären zu lassen. Gerade Patienten mit Angstattacken reagieren besonders empfindlich, wenn Sie Anzeichen von Nebenwirkungen spüren.

Während der Einnahme ist es empfehlenswert, regelmäßige Kontrollen des Blutbildes vornehmen zu lassen, denn Medikamente können die Leber, unser Entgiftungsorgan, belasten. Die Nebenwirkungen können nach einer gewissen Zeit der Einnahme zurückgehen, weil der Körper das Medikament besser toleriert.


Wie Serotonin im Nervensystem übertragen wird

Die Signalübertragung im Nervensystem
Alle Informationen, die wir über unsere Sinnesorgane von der Außenwelt aufnehmen und auch solche, die wir aus unserem Körper empfangen, werden über das Nervensystem zu den entsprechenden Hirnregionen geleitet. Um diese anspruchsvolle Aufgabe zu gewährleisten, verfügen wir über schätzungsweise 100 Milliarden Nervenzellen.

Jede Nervenzelle ist mit bis zu 10.000 anderen Nervenzellen durch Kontaktstellen (synaptische Verbindungen) verbunden, um miteinander kommunizieren zu können. Die Übermittlung der Nervenimpulse bezeichnet man auch als Signalübertragung.

Sie geschieht auf zwei Wegen: Die elektrische Signalübertragung kann man sich ganz vereinfacht wie das Stromkabel einer Nervenzelle vorstellen. Zwischen benachbarten Nervenzellen findet die Signalweiterleitung auf chemischem Weg statt. Wie zwei Sprachen, deren Codes vollkommen deckungsgleich sind, verhalten sich die elektrischen und chemischen Signale zueinander. Die eigentliche Information verändert sich nicht.

Um den Vorgang der Signalübermittlung leichter verstehen zu können, stellen wir uns zwei Nervenzellen vor: Eine Senderzelle und eine Empfängerzelle. Das elektrische Signal der Senderzelle fließt, bis es zu seiner eigenen Kontaktstelle (Synapse) gelangt, wo es nun in ein chemisches Signal übersetzt wird. Hier befinden sich kleine Bläschen (Vesikel), in denen die Empfängerzelle ihren Vorrat an Botenstoffen speichert.

Handelt es sich bei dem Botenstoff um Serotonin, veranlasst das elektrische Signal, dass das gespeicherte Serotonin freigesetzt wird. Die Serotonin-Botenstoffe wandern durch einen kleinen Spalt zur Membran der nächsten empfangenden Nervenzelle, wo sie andocken können. Wie der richtige Schlüssel ein Schloss öffnet, genauso passt ein bestimmter Botenstoff an die ihm entsprechenden Andockstellen (Rezeptoren) der Empfängerzelle.

Durch diese Passung wird die nächste Nervenzelle erregt, um ihrerseits die Information an andere Nervenzellen weiterzugeben. Dazu übersetzt sie das chemische Signal wieder in ein elektrisches Signal. Nachdem diese Aufgabe erledigt ist – d. h. die Senderzelle hat ihre Aktivität eingestellt – wird der Botenstoff normalerweise wieder aufgenommen.

Antidepressiva, aus der Gruppe der SSRI, verhindern genau diesen Vorgang, was darauf hinaus läuft, dass mehr Serotonin im Spalt zwischen der Sender- und Empfängerzelle verbleibt. Der erwünschte Effekt ist, dass die Weiterleitung der elektrischen Erregung an der Empfängerzelle gefördert wird.

Ambulante oder stationäre Behandlung bei Panikattacken?

Eine ambulante Behandlung bedeutet, dass Sie Ihr gewohntes Umfeld nicht verlassen müssen und einen Arzt oder Psychotherapeuten in seiner Praxis aufsuchen. Bei einer stationären Behandlung sind Sie in der Regel für einige Wochen in einer Klinik untergebracht. Es gibt jedoch noch eine weitere Unterscheidung: Manche Einrichtungen bieten neben einer vollstationären Behandlung auch eine teilstationäre Therapie an. Man nennt sie auch Tageskliniken. Der Patient nimmt während des Tages an den Therapiemaßnahmen teil, übernachtet aber zuhause in seinem häuslichen Umfeld. Dieses Angebot kommt vor allem für diejenigen infrage, die in der räumlichen Nähe einer Klinik wohnen, die über tagesklinische Plätze verfügt.

Manchmal kann es auch notwendig sein, sich in eine vollstationäre Behandlung zu begeben, vor allem, wenn eine sehr umfassende Therapie notwendig ist und die Belastungsfaktoren im Alltag eine Besserung deutlich erschweren. Allein lebende Patienten, die sich isoliert fühlen, oder Patienten, die sich in einem belastungsintensiven, wenig unterstützenden Umfeld befinden, sollten die Möglichkeit einer vollstationären Behandlung ernsthaft in Betracht ziehen. Insbesondere, wenn die Belastungsgrenze bereits deutlich überschritten ist, z. B. die Wohnung nur noch in Begleitung verlassen werden kann, bietet die stationäre Therapie ein sehr intensives Hilfsangebot.

Psychosomatische Klinken offerieren in der Regel ein breit gefächertes Angebot an Einzel- und Gruppentherapien mit Verhaltenstherapie, Körpertherapie, Gestaltungstherapie, sportlichen Aktivitäten und vielem mehr. Die Medikamente können gut eingestellt werden, weil der Arzt seinen Patienten regelmäßig sieht. Viele Patienten profitieren von der therapeutischen Gemeinschaft und machen die wichtige Erfahrung, nicht allein gelassen zu sein.

Ob eine stationäre Behandlung bei Ihnen erforderlich ist, sollten Sie mit Ihrem Arzt oder Psychotherapeuten abklären. Je nachdem, welche stationäre Maßnahme erfolgen soll, sind unterschiedliche Kostenträger zuständig: die Krankenversicherung oder die Rentenversicherung. Handelt es sich um einen Krankenhausaufenthalt, der zumeist in ganz akuten Fällen erforderlich ist, oder um eine sog. Rehabilitationsmaßnahme?

In akuten Fällen ist es von Vorteil, sich von einem Arzt in eine psychiatrische Klinik einweisen lassen, um eine weitere Eskalation zu verhindern. Die Krankenkasse übernimmt dann die Kosten und es besteht keine sehr lange Wartezeit.

Bei einer Rehabilitationsmaßnahme ist dagegen in der Regel der Rentenversicherungsträger zuständig. Die Bewilligung eines Antrags ist in jedem Fall erforderlich. Mitunter besteht eine Wartezeit bis zu mehreren Monaten, bis die Rehabilitation angetreten werden kann. Informieren Sie sich in diesem Fall über das spezifische Behandlungsangebot, damit Sie auch sicher gehen können, dass die Einrichtung auf Ihre Beschwerden spezialisiert ist.

Abschließend sei noch ein Punkt erwähnt, der für manche Versicherte durchaus wichtig sein kann: Falls Sie in den nächsten fünf Jahren in eine private Krankenversicherung wechseln möchten oder eine Beamtenlaufbahn anstreben, wirkt sich die Diagnose einer psychischen Erkrankung leider negativ auf die Beurteilung aus. Ihr Antrag wird vermutlich abgelehnt.